Dr. Michael Laitman To Change the World – Change Man

Die alten Schreckensgeschichten ziehen nicht mehr, sollen wir neue erfinden? Teil I

Nachrichten und Analysen in der heutigen Welt – eine endlose Übertragung von Negativem. Krisen, Konflikte, Bedrohungen, Szenarien von Kriegen und Katastrophen. Ganz zu schweigen von Hollywood mit seiner Flut von Apokalypsen und Dystopien. Selbst wenn wir vor diesem Strom in Nischen flüchten, überrollt er uns doch von Zeit zu Zeit. Was überwiegt darin: Realitäten oder Schreckensszenarien?

Wenn ich mir die aktuelle Lage anschaue, stelle ich fest, dass die Schreckensszenarien überwiegen. Ja, man schüchtert uns ein. Heutzutage ist es am einfachsten, einen Menschen mit Ängsten und Unsicherheiten abzulenken und zu verunsichern. Damit die Zukunft wie eine dunkle Wolke über ihm hängt, ohne Lichtblicke, ohne gute Versprechen. Möge er in dem Gefühl der Ausweglosigkeit zappeln und auf die „richtigen“ Botschaften der Manipulatoren hereinfallen. Eine vergangene Ära hält uns mit eisernem Griff im Würgegriff und lässt uns den Anbruch eines neuen Lebens, neuer Beziehungen nicht erkennen.

Die Appetite sind nicht mehr dieselben, die Ansprüche sind beschnitten. Die menschliche Gesellschaft sucht nicht mehr nach etwas, das vor ihr liegt, lässt sich nicht mehr von „progressiven“ Versprechungen begeistern. Herrscher und Eliten treiben sie an, aber sie selbst ist träge, ideenlos. Die Menschen haben immer weniger Lust, an einem Rennen ohne Ziel mit seinen leeren Preisen teilzunehmen. Wir fragen uns immer öfter: „Wozu das alles? Wozu dieser Lauf ins Nirgendwo?“.

Natürlich ist die Welt voller Nöte und Probleme. Natürlich steht sie vor grundlegenden, entscheidenden Herausforderungen. Doch die Menschen neigen immer weniger dazu, diese durch die Brille des Geldes und der Wirtschaftsprogramme zu betrachten, die uns von oben aufgezwungen werden. Allen ist bereits klar: Was auch immer von dort herabkommt – letztendlich ist es nicht für uns, sondern für sie, die daoben sitzen. Und wir regen uns nicht einmal besonders darüber auf, da wir verstehen, dass dies die menschliche Natur ist.

Am Ruder stehen nach wie vor die Besitzer von Milliardenvermögen, die darauf aus sind, ihre Konten weiter aufzublähen, während die Menschheit, ohne zu verstehen, warum und wieso, langsam das Interesse an diesen Spielereien verliert. Die Zeit als Heiler hat die frühere Leidenschaft abgekühlt, den hektischen Lauf verlangsamt und dem Geld den Titel des absoluten Erfolgskriteriums genommen. Das Kapital hat seine Macht bewahrt, aber nicht seine Autorität. Die Epoche selbst zwingt uns, uns zu verändern, das Leben anders zu bewerten, nicht nur nach Geld.

Natürlich würde jeder gerne Millionär werden. Und doch taucht irgendwo aus der Tiefe langsam die Frage auf: „Wozu? Was bringt das? Was ist der Sinn? Warum sollte ich mein ganzes Leben diesem materiellen Wettlauf widmen?“ Diese Frage ist noch nicht bewusst, noch nicht durchdacht, aber sie zeichnet sich hinter den Zuckungen der alten Welt ab.

Nein, die Menschheit wird nicht mehr zum großen Wettlauf zurückkehren. Sie gibt sich zwar noch Illusionen hin, aber die Menschen haben weder die Kraft noch den Willen dazu.

Und auch wenn auf den ersten Blick alles wie immer oder fast wie immer erscheint, sollte man sich nichts vormachen. Hinter dem äußeren Lauf des Lebens verbergen sich tiefgreifende innere Umwälzungen: Der Trend zum endlosen Geldverdienen und -verprassen ist erschöpft.

Zwar haben wir noch nicht begriffen, was an seine Stelle tritt. Wir irren immer noch gefangen in Illusionen, Ängsten und gescheiterten Hoffnungen umher.

Um aus dieser Sackgasse herauszukommen, müssen wir früher oder später die zentrale Frage nach dem Sinn und dem Ziel unseres Lebens beantworten. Erst dann wird die Vergangenheit ihren Griff lockern. Denn hier geht es nicht mehr um Mode oder Status, sondern um das Wesentliche: Wofür das alles? Wenn wir nicht zum Wesentlichen vordringen, werden wir keinen Ansporn für echte Anstrengungen finden und nicht in der Lage sein, uns wirklich um uns selbst, um die Familie und um die Kinder zu kümmern. Uns bleibt dann nur noch, teilnahmslos zuzusehen, wie frühere Werte verblassen und versucht wird, an ihrer Stelle absurde Ersatzlösungen durchzusetzen.

Ich weiß, dass das Fehlen eines echten Sinns heute nicht so kritisch erscheint. Doch auf diese Beruhigung wird Leere folgen. Die Menschheit ist kein Zug; sie kann nicht ewig an einem verschlafenen Bahnhof stehen bleiben, verteilt auf Schlafwagen. Sie wird eine Antwort auf diese neue Herausforderung finden und weiterziehen müssen.

Wie sieht diese Antwort aus?

Fortsetzung folgt.

Geschrieben/bearbeitet von Student*innen des Kabbalisten Michael Laitman.

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