{"id":768,"date":"2017-09-15T16:49:34","date_gmt":"2017-09-15T14:49:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaellaitman.com\/de\/?p=768"},"modified":"2017-09-23T16:53:19","modified_gmt":"2017-09-23T14:53:19","slug":"houston-von-der-katastrophe-zum-segen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.michaellaitman.com\/de\/articles\/houston-von-der-katastrophe-zum-segen\/","title":{"rendered":"Houston- von der Katastrophe zum Segen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-353\" title=\"Houston- von der Katastrophe zum Segen\" src=\"http:\/\/www.michaellaitman.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Houston.png\" alt=\"Houston- von der Katastrophe zum Segen\" width=\"456\" height=\"190\"><\/p>\n<p>Obwohl ich am besagten Wochenende in Deutschland auf einem Kongress mit meinen europ\u00e4ischen Studenten war, habe ich die Katastrophe in Houston genau verfolgt. Die Berichte in den Medien und die Geschichten, die ich von meinen Sch\u00fclern h\u00f6rte, waren herzzerrei\u00dfend. Diese Ereignisse sind zweifellos ein Trauma, das die Menschen die kommenden Jahre besch\u00e4ftigen wird.<\/p>\n<p>Gleichzeitig denke ich, das Schlimmste, was die Texaner in dieser Lage tun k\u00f6nnen, ist eine passive Opferhaltung einzunehmen. Der Wiederaufbau sollte so bald wie m\u00f6glich beginnen, und das erste, was angehoben werden sollte, ist die Stimmung unter den Menschen.<\/p>\n<p>Geld kann wieder verdient werden, Eigentum wiederaufgebaut, aber niemand au\u00dfer den Betroffenen selbst kann die psychischen Sch\u00e4den kitten. Ich habe gesehen, wie die Menschen in Houston einander aus den \u00fcberfluteten H\u00e4usern retteten. Das ist die richtige Einstellung. Sich in den anderen in Krisenzeiten einzuf\u00fchlen und dasselbe im Alltag zu tun, sind allerdings zwei Paar Schuhe. Letzteres ist jedoch, was Menschen wirklich brauchen.<\/p>\n<p>Die heutige amerikanische Gesellschaft ist so fragmentiert, dass selbst die schlimmsten \u00dcberschwemmungen in der US-Geschichte die Trennung nicht vollst\u00e4ndig beseitigen k\u00f6nnen. Kenneth Storey, stellvertretender Professor an der Tampa Universit\u00e4t, wurde zum Beispiel nach folgendem Tweet gefeuert: \u201eHoffentlich hilft [die Naturkatastrophe] ihnen (den Texanern) zu verstehen, dass die Republikaner sich nicht um sie scheren&#8220; und f\u00fcgte hinzu, dass er \u201enur diejenigen&#8220; meine, \u201edie die Republikaner unterst\u00fctzten&#8220;. Ich bezweifele jedoch, dass all die Ersthelfer, Freiwillige der Hajun Navy und zahllose andere ehrenamtliche Helfer, die die Menschen aus ihren \u00fcberfluteten H\u00e4usern und Autos bargen, diese verzweifelten Menschen fragten, wen sie gew\u00e4hlt hatten, bevor sie ihnen halfen.<\/p>\n<p>Und dennoch, wenn nicht Bewohner und Beh\u00f6rden gleicherma\u00dfen eine bewusste Anstrengung unternehmen, diese Solidarit\u00e4t aufrechtzuerhalten, wird sie verschwinden, sobald das Wasser trocknet. Bedauerlicherweise ist es keine echte Einheit, sondern instinktive Empathie, die bei Krisen auftaucht. W\u00e4re sie echt gewesen, w\u00e4re sie auch vor dem Sturm schon dagewesen.<\/p>\n<p>Glenn Thrushaug von <em>The Times<\/em> <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2017\/08\/29\/us\/trump-harvey-white-house-memo.html?rref=collection%2Fnewseventcollection%2FThe%20Trump%20White%20House&amp;action=click&amp;contentCollection=U.S.&amp;module=Collection&amp;region=Marginalia&amp;src=me&amp;version=newsevent&amp;pgtype=article\">wies darauf hin<\/a>, dass Harvey Pr\u00e4sident Trump &#8222;eine Chance bietet, einiges an der vereinenden Macht seines Amtes zur\u00fcckzuerobern.&#8220; Es w\u00e4re wunderbar, wenn Trump sich auf Einheit und Solidarit\u00e4t konzentrieren k\u00f6nnte, aber ich glaube nicht, dass die Bewohner von Houston auf irgendjemanden warten sollten. Die Schutzr\u00e4ume sind anstrengende Orte. Tausende von Fremden, die wochenlang ohne Privatsph\u00e4re, minimal ausgestattet, zusammenkauern, k\u00f6nnen kaum ein Rezept f\u00fcr Gl\u00fcck sein.<\/p>\n<p>Dennoch k\u00f6nnen diese Bedingungen, richtig verwendet, Bindungen schaffen, die unter normalen Umst\u00e4nden nicht entstehen w\u00fcrden. Wenn ich dort w\u00e4re, w\u00fcrde ich die Menschen dazu einladen, sich in einem Kreis zusammenzusetzen, denn ein Kreis macht alle gleicherma\u00dfen wichtig, und vorschlagen, bei einem Kaffee dar\u00fcber zu sprechen, wie man sich das Leben nach Harvey idealerweise vorstellt. Danach w\u00fcrde ich fragen: &#8222;Was w\u00e4re notwendig, um diesen Traum zu verwirklichen?&#8220; Ich habe keinen Zweifel daran, dass mit etwas gegenseitiger Verantwortung und F\u00fcrsorge die Vorstellungen der meisten Menschen umsetzbar w\u00e4ren. Aber ohne Solidarit\u00e4t werden sie nur Tr\u00e4ume sein.<\/p>\n<p>Der Alltag mit all seinen Herausforderungen l\u00e4sst uns eine wichtige Tatsache vergessen: Wir sind alle voneinander abh\u00e4ngig. Andere Menschen produzieren das Essen, das wir essen, und andere Menschen besch\u00e4ftigen uns oder wir besch\u00e4ftigen sie, damit wir alle uns und unsere Familien unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Unser Selbstwertgef\u00fchl h\u00e4ngt von der Wertsch\u00e4tzung anderer Menschen ab, und unsere Stimmung h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Stimmung der Menschen um uns herum ab. Was wir wissen ist, was uns gesagt oder gezeigt wird, und was wir denken, ist eng mit dem verbunden, was andere um uns herum denken. Kurz gesagt, wir sind physisch, wirtschaftlich, intellektuell und emotional wechselseitig abh\u00e4ngig. Doch wie viele von uns f\u00fchlen, dass unsere Verbindungen mit den Menschen um uns herum positiv und konstruktiv sind?<\/p>\n<p>Apokalypsen wie Harvey mischen die Karten neu. Sie sind Chancen, alles neu zu \u00fcberdenken und die Gesellschaft auf eine v\u00f6llig neue Ebene der Verbindung zu bringen. Der Staat Texas kann und sollte den Fluch des Sturms als gesellschaftlichen Segen nutzen, der aus Houston eine vorbildliche Stadt in Amerika machen wird.<\/p>\n<p>Meine Studenten und Freunde planen, in die Schutzr\u00e4ume zu gehen, sobald die Bedingungen es erlauben, und sich mit den Menschen zu besch\u00e4ftigen, um sie zu ermutigen und ihnen zu helfen, sich miteinander zu verbinden. Wenn ich k\u00f6nnte, w\u00fcrde ich selbst dorthin gehen und das Gleiche tun. Wenn Texas diese Gelegenheit f\u00fcr den Wechsel verstreichen l\u00e4sst, wird die n\u00e4chste Katastrophe noch schlimmer werden.<\/p>\n<p>Vor ein paar Tagen schrieb mir einer meiner Studenten, dessen Familie in Houston noch gestrandet ist, diese positiven Worte: &#8222;Wir sind Texaner! Texas kann alles schaffen; wir m\u00fcssen einfach hart und zusammen arbeiten.&#8220; Ja, zusammen ist der Schl\u00fcssel zu all unserem Erfolg. Jetzt und immer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl ich am besagten Wochenende in Deutschland auf einem Kongress mit meinen europ\u00e4ischen Studenten war, habe ich die Katastrophe in Houston genau verfolgt. Die Berichte in den Medien und die Geschichten, die ich von meinen Sch\u00fclern h\u00f6rte, waren herzzerrei\u00dfend. 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