{"id":692,"date":"2017-04-15T20:00:48","date_gmt":"2017-04-15T18:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michaellaitman.com\/de\/?p=692"},"modified":"2017-04-20T18:16:18","modified_gmt":"2017-04-20T16:16:18","slug":"israel-das-geliebte-land-das-alle-verlassen-wollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.michaellaitman.com\/de\/articles\/israel-das-geliebte-land-das-alle-verlassen-wollen\/","title":{"rendered":"Israel &#8211; das geliebte Land, das alle verlassen wollen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-353\" title=\"Klima - Der Ball liegt in unserem Spielfeld\" src=\"http:\/\/www.michaellaitman.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/n-ISRAEL-large570_1.jpg\" alt=\"\" width=\"155\" height=\"90\" \/><\/p>\n<p><em>Es ist nicht Israel, das die Israelis nicht m\u00f6gen; es ist der Funke der Einheit in den Israelis <\/em><\/p>\n<p>Wenn man den Umfragen glaubt, und es ist fraglich, ob man das tun sollte, dann ist Israel ein sehr gl\u00fccklicher Ort. Dem j\u00e4hrlichen <a href=\"https:\/\/s3.amazonaws.com\/sdsn-whr2017\/HR17_3-20-17.pdf\">World Happiness Report von 2017<\/a> zufolge ist Israel das elftgl\u00fccklichste Land der Welt. Der \u00d6konom und Sonderberater der United Nations, Generalsekret\u00e4r Prof. Jeffrey Sachs, sagte in Hinblick auf den Bericht: &#8222;Gl\u00fcckliche L\u00e4nder sind diejenigen, die eine gesunde Balance zwischen Wohlstand und sozialem Kapital haben, also ein hohes Ma\u00df an Vertrauen in die Gesellschaft, wenig Ungleichheit und Vertrauen in die Regierung.&#8220; Wenn Israel, das seine Position in den letzten drei Jahren behauptet hat, so ein wunderbarer Ort zum leben ist &#8211; es rangiert h\u00f6her als Deutschland, Japan, USA und Gro\u00dfbritannien &#8211; warum zeigen dann <a href=\"http:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/bye-the-beloved-country-why-almost-40-percent-of-israelis-are-thinking-of-emigrating.premium-1.484945\">andere Umfragen<\/a>, dass &#8222;mehr als ein Drittel der Israelis, die in Israel leben, das Land verlassen w\u00fcrden wenn sie k\u00f6nnten&#8220;?<\/p>\n<p>Das Problem der Israelis ist nicht Israel selbst, sondern die anderen Israelis, die dort leben. In einfachen Worten ausgedr\u00fcckt, wir k\u00f6nnen einander nicht leiden. Aber es wollen nicht nur viele Israelis im Ausland leben; Israelis, die ausgewandert sind, assimilieren sich st\u00e4rker als <a href=\"http:\/\/www.israelnationalnews.com\/News\/News.aspx\/206543\">jede andere j\u00fcdische Gruppe<\/a>. Offensichtlich wollen Israelis, die im Ausland leben, ganz und gar mit dem Judentum aufr\u00e4umen.<\/p>\n<p><strong>Warum der Selbsthass <\/strong><\/p>\n<p>Die j\u00fcdische Nation gleicht keiner anderen. Nationen werden gew\u00f6hnlich aus einer gemeinsamen Kultur oder Ethnizit\u00e4t, oder beiden, gebildet. Die j\u00fcdische Nation ist das genaue Gegenteil. Der <em>Midrash<\/em> (<em>Bereshit Rabah<\/em>) und Maimonides (<em>Mishneh Torah<\/em>) geben uns detaillierte Auskunft \u00fcber die Entstehung unseres Volkes: &#8222;Abraham begann die ganze Welt anzurufen&#8230;indem er von Stadt zu Stadt und K\u00f6nigreich zu K\u00f6nigreich wanderte, bis er im Lande Kanaan ankam&#8230;Und als sie sich um ihn versammelten und ihn \u00fcber seine Worte befragten, lehrte er jedermann.&#8220;<\/p>\n<p>Abraham lehrte sie sich zu verbinden. Da die Menschen, die zu Abraham kamen, weder biologische Verwandtschaft noch geographische N\u00e4he miteinander teilten, war die Idee der Einheit alles, was ihnen gemein war. Abraham, Isaak, Jakob, Joseph, Moses, sie alle lehrten das Volk Israel \u00fcber die Einheit. Als sie unter der F\u00fchrung von Moses aus \u00c4gypten flohen, waren sie immer noch kein Volk. Sie erhielten diesen Status erst, als sie sich damit einverstanden erkl\u00e4rten, sich &#8222;wie ein Mensch mit einem Herzen&#8220; zu verbinden.<\/p>\n<p>In diesem Augenblick wurde ihnen nicht nur der Titel &#8222;Nation&#8220; gegeben, sondern sie wurden auch damit beauftragt, ihren einzigartigen &#8222;nationalen Klebstoff&#8220; weiterzugeben. Die Thora befahl ihnen, &#8222;ein Licht f\u00fcr die Nationen&#8220; zu sein. Die fr\u00fchen Juden wussten, dass es ihre Aufgabe war, ihre Methode der Einheit mit der Welt zu teilen, genau so wie Abraham versucht hatte, all seine Leute in Babylon zu unterrichten, bevor er das Land in Richtung Israel verlie\u00df.<\/p>\n<p>Ann\u00e4hernd 18 Jahrhunderte lang f\u00f6rderte und entwickelte das israelische Volk seine Verbindungsmethode. Durch au\u00dferordentliche Pr\u00fcfungen und Versuche extrahierten sie die Essenz des J\u00fcdischen Gesetzes in wenigen einfachen Worten. Wie der Alte Hillel es ausdr\u00fcckte: &#8222;Was dir selbst verhasst ist, das tue keinem anderen an; dies ist die ganze Thora&#8220; (<em>Shabbat<\/em>, 31a).<\/p>\n<p>Etwa zur Zeit der Tempelzerst\u00f6rung und des Exils aus dem Lande Israel versuchte Rabbi Akiva diejenigen, die noch nicht von dem internen Gez\u00e4nk ersch\u00f6pft waren zu unterrichten. Er erkl\u00e4rte, &#8222;Liebe deinen N\u00e4chsten wie dich selbst; dies ist die gro\u00dfe Vorschrift der Thora&#8220; (Jerusalemer Talmud, <em>Nedarim<\/em>, 30b).<\/p>\n<p>Leider gewann der Hass zwischen uns die Oberhand, und das j\u00fcdische Volk verstreute sich in der Welt. In Hinblick auf die Essenz des Judentums, die N\u00e4chstenliebe, h\u00f6rten wir zu dieser Zeit auf Juden zu sein. Stattdessen fingen wir an, einander sogar noch mehr zu hassen als vor der Vereinigung durch Abraham. Nun machten unsere urspr\u00fcngliche Entfremdung, die gegenw\u00e4rtige Feindseligkeit und die belastende Aufgabe, ein Licht f\u00fcr die V\u00f6lker zu sein, unsere Abscheu f\u00fcreinander vehement und abgrundtief.<\/p>\n<p>Um das Ausma\u00df des Hasses zwischen den Juden zur Zeit der Tempelzerst\u00f6rung zu verstehen, stelle man sich das h\u00e4\u00dflichste Scheidungsverfahren vor, das es geben kann, und \u00fcbertrage dies auf eine gesamte Nation. H\u00e4tte sich das voneinander entfremdete Paar niemals getroffen, w\u00e4ren sie Fremde f\u00fcreinander geblieben und vermutlich einander gegen\u00fcber gleichg\u00fcltig. Aber nachdem sie einander begegnet sind, sich ineinander verliebt haben, um sich anschlie\u00dfend zu entlieben, bis zu dem Punkt gegenseitiger Abscheu, ist ihre wechselseitige Ablehnung um ein Vielfaches leidenschaftlicher als Fremde sie jemals f\u00fcreinander empfinden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Diese tiefe Verachtung ist f\u00fcr den Widerwillen der Israelis ihrem eigenen Land gegen\u00fcber verantwortlich, und dies ist der Grund f\u00fcr die massive Assimilation der Juden in aller Welt. Tats\u00e4chlich w\u00e4ren Juden, g\u00e4be es den Antisemitismus nicht, schon lange als Volk untergegangen. Der Hass der V\u00f6lker ist das Einzige, was Juden zusammenh\u00e4lt.<\/p>\n<p><strong>Alles, blo\u00df nicht j\u00fcdisch <\/strong><\/p>\n<p>Wenn es m\u00f6glich w\u00e4re, w\u00fcrden wir es vorziehen, \u00fcberhaupt nicht j\u00fcdisch zu sein. Achtundf\u00fcnfzig Prozent der Juden <a href=\"http:\/\/www.israelnationalnews.com\/News\/News.aspx\/206543\">heiraten weltweit au\u00dferhalb des Glaubens<\/a>, und die Zahl der Mischehen unter den im Ausland lebenden Israelis ist sogar noch h\u00f6her. Wann immer wir die Freiheit haben, mit der lokalen Bev\u00f6lkerung zu verschmelzen, tun wir es. Und wann immer wir es tun, leiden wir schrecklich. Die beiden namhaften Beispiele dieses Prozesses sind auch gleichzeitig die traumatischsten Ereignisse in unserer Post-Tempelzerst\u00f6rungshistorie: Die Inquisition mit der ultimativen Vertreibung aus Spanien und der Holocaust.<\/p>\n<p>Aufgrund unserer historischen Aufgabe &#8211; den V\u00f6lkern das Licht der Einheit zu bringen &#8211; ist es uns nicht erlaubt, uns bis zum Punkt v\u00f6lliger Eliminierung zu assimilieren. In letzter Minute kommt immer ein Erzfeind, der uns bestraft und uns zwingt, uns aufs Neue miteinander zu verbinden.<\/p>\n<p>Manchmal, aber nicht immer, sp\u00fcren wir, dass der Hass der Nationen mit unserem Hass aufeinander zu tun hat. Aber wenn wir es tun, ist es in der Regel zu wenig und zu sp\u00e4t. Zum Beispiel argumentierte Dr. Kurt Fleischer, einer der f\u00fchrenden K\u00f6pfe der liberalen Fraktion in der j\u00fcdischen Gemeindeversammlung Berlins, dass Antisemitismus &#8222;eine Gei\u00dfel&#8220; sei, &#8222;die Gott uns geschickt hat, um uns zusammenzuf\u00fchren und zusammenzuschwei\u00dfen.&#8220;<\/p>\n<p>Auch heute gibt es Juden, die die au\u00dferordentliche Wichtigkeit der j\u00fcdischen Einheit f\u00fcr unser \u00dcberleben begreifen. Isi Leibler, langj\u00e4hriger j\u00fcdischer Diasporaf\u00fchrer, schrieb vor wenigen Wochen an die j\u00fcdische US-Gemeinde: &#8222;Heute scheint, was als Selbstzerst\u00f6rung beschrieben werden muss, eine wesentliche Anzahl unverantwortlicher F\u00fchrungspersonen der erfolgreichsten und st\u00e4rksten j\u00fcdischen Diasporagemeinde verr\u00fcckt geworden zu sein, und sie sch\u00fcren den Antisemitismus&#8220;, indem sie so parteiisch sind.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen die j\u00fcngste Welle des Antisemitismus vielen Ursachen zuschreiben, aber die Wahrheit ist, dass sie auf unsere eigene Spaltung zur\u00fcckgeht. Da wir ein Leuchtturm der Einheit f\u00fcr die Welt sein sollten, w\u00e4rend wir das Gegenteil sind, verhalten sich die V\u00f6lker der Welt auf diese Weise zueinander, und im Besonderen uns gegen\u00fcber. Viele von uns wollen alles, blo\u00df nicht j\u00fcdisch sein, und wenn N\u00e4chstenliebe das Kriterium ist, sind wir es in der Tat nicht. Jedoch wird uns nichts von unserer Pflicht der Welt gegen\u00fcber entbinden. Heute sind die USA auf dem Weg zur gleichen Einstellungen gegen\u00fcber Juden wie in Europa des vergangenen Jahrhunderts.<\/p>\n<p><strong>Den Hass \u00fcbergehen<\/strong><\/p>\n<p>Trotz dieser d\u00fcsteren Prognose gibt es vieles, was wir heute tun k\u00f6nnen, was uns damals nicht m\u00f6glich war. Heute sind wir uns der Lebenskraft der Einheit bewusst, die wir als Gemeinschaft als solche vorher nicht hatten. Wir d\u00fcrfen nicht dasitzen und zusehen, wie die Dinge immer schlimmer werden, und wir d\u00fcrfen nicht auf die Wortf\u00fchrer h\u00f6ren, die die Menschen beruhigen, w\u00e4hrend sie ihre eigene Zukunft absichern, wie es j\u00fcdische Anf\u00fchrer vor dem Holocaust taten. Stattdessen sollten wir eine konstruktive Haltung einnehmen und die Gelegenheiten ergreifen, die sich uns bieten, um unsere Solidarit\u00e4t wiederherzustellen.<\/p>\n<p>In nur etwas \u00fcber einer Woche werden wir Pessach feiern, das Fest der Freiheit. Aber wie k\u00f6nnen wir \u00fcber Freiheit sprechen, w\u00e4hrend wir Sklaven unseres eigenen Hasses sind? In dem Buch <em>Likutey Halachot<\/em> (ausgew\u00e4hlte Regeln) hei\u00dft es, &#8222;Die Essenz der Vitalit\u00e4t, der Existenz, und der Korrektur in der Sch\u00f6pfung wird durch Menschen verschiedener Anschauungen erreicht, wenn diese sich miteinander in Liebe, Einigkeit, und Frieden vermischen&#8220;.<\/p>\n<p>Unsere Weisen haben immer gewusst, dass die Einheit der Schl\u00fcssel zu unserer Freiheit, unserem Gl\u00fcck und unserem Frieden ist. Sogar das Buch Sohar betont, wie wichtig es ist, den Hass zu \u00fcberwinden und sich zu verbinden. In dem Abschnitt <em>Aharei Mot<\/em> hei\u00dft es im Sohar, &#8222;Siehe, wie gut und angenehm es ist, wenn Br\u00fcder zusammensitzen. Dies sind die Freunde, wenn sie zusammensitzen, und nicht getrennt voneinander sind. Zuerst erscheinen sie wie Menschen, die miteinander Krieg f\u00fchren und einander umbringen wollen. Dann kehren sie zur\u00fcck in den Zustand br\u00fcderlicher Liebe. Fortan werdet ihr euch auch mehr trennen&#8230; und durch euer Verdienst wird Friede in der Welt herrschen.&#8220;<\/p>\n<p>Wir sollten wissen, dass unser Gl\u00fcck nicht davon abh\u00e4ngt, wen wir heiraten oder wo wir leben. Es h\u00e4ngt ausschlie\u00dflich davon ab, was f\u00fcr eine Beziehung wir zu Menschen unseres eigenen Stammes aufbauen &#8211; den Juden. Die einzige Freiheit, die wir jetzt brauchen, ist die von unserem Hass. Wenn wir das erreichen, werden wir unsere Stellung als Licht f\u00fcr die V\u00f6lker wiederherstellen, und die Welt wird aufh\u00f6ren, uns und einander zu hassen.<\/p>\n<p>An unserem ersten Pessachfest, in der Sinaiw\u00fcste, verbanden wir uns und wurden zu einer Nation. Nun m\u00fcssen wir es wieder tun und unser Volkssein wieder errichten.<\/p>\n<p>Der \u00dcbergang (von <em>pasach<\/em> &#8211; ging vor\u00fcber, \u00fcberging) wird diesmal nicht \u00fcber das Schilfmeer f\u00fchren, sondern \u00fcber das Meer des Hasses, den wir f\u00fcr unsere Br\u00fcder empfinden. Wenn wir nur einen Bruchteil dieses noblen Bestrebens an diesem kommenden Pessach verwirklichen, dann k\u00f6nnten vielleicht die dunklen Wolken, die sich \u00fcber den Juden in aller Welt zusammenziehen, nichts weiter als Regen bedeuten. Aber die Schauer haben bereits begonnen, und die Zeit wird knapp. Die Aufgabe, die vor uns liegt ist mehr als klar: Wir m\u00fcssen unsere Parteilichkeit und gegenseitige Abneigung ad acta legen, und eine Bindung \u00fcber unserem Hass eingehen, damit die ganze Welt dies sehen, glauben und sich daran ein Beispiel nehmen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist nicht Israel, das die Israelis nicht m\u00f6gen; es ist der Funke der Einheit in den Israelis Wenn man den Umfragen glaubt, und es ist fraglich, ob man das tun sollte, dann ist Israel ein sehr gl\u00fccklicher Ort. 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